Dr. Klaus-Jürgen Sator (Bundestagsverwaltung) (März 2012)
Im Rahmen des von der Gleichstellungsbeauftragen bei der Verwaltung des Deutschen Bundestages initiierten Mentoring-Programms haben Mitarbeiter der Verwaltung seit einigen Jahren die Möglichkeit, den Arbeitsalltag eines Bundestagsabgeordneten während der Sitzungswochen des Parlaments aus der Nähe kennenzulernen.
In der Vorbereitung dieses sog. „Shadowings“ waren mein Mentor und ich zu der Überzeugung gelangt, dass die bisher üblichen ein oder zwei Tage zu wenig seien, um wirklich einen Einblick in den Arbeitsalltag eines Parlamentariers zu erhalten, es deshalb sinnvoll sei, einen Abgeordneten einmal über eine ganze Sitzungswoche hinweg zu begleiten. Mit MdB Steffen-Claudio Lemme haben wir einen Volksvertreter gefunden, der meinem Wunsch entgegen kam. Für diese Möglichkeit war ich bereit, ein paar Tage meines Urlaubs zu opfern. Da mir der Abgeordnete zuvor nicht bekannt war, habe ich zunächst seine Biographie recherchiert: MdB Steffen-Claudio Lemme ist langjähriger und überzeugter Gewerkschafter, Sozialdemokrat und kommt aus den neuen Bundesländern. Er ist ein „Parlamentsneuling“, der im Ergebnis der Bundestagswahlen 2009 über die Landesliste der SPD-Thüringen in den Deutschen Bundestag eingezogen ist. MdB Lemme ist Mitglied des Gesundheitsausschusses sowie des Petitionsausschusses und von seiner Fraktion zum Schriftführer bestimmt. Im Laufe der 10. Kalenderwoche hatte ich die Gelegenheit, ihn in all diesen Funktionen zu erleben.
Nach einem ersten Gespräch zum Kennenlernen zu Beginn der Parlamentswoche begleitete ich MdB Lemme zu einer der wenigen öffentlichen Anhörungen des Petitionsausschusses. Auf der Tagesordnung standen zwei gesundheitspolitische Themen, die Forderung nach einer Verbesserung der bundesweiten Versorgung mit Hospizplätzen sowie nach einer besseren Vergütung ärztlicher Leistungen der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe. Am Dienstag konnte ich als Gast an den Sitzungen der AG Gesundheit und der AG Petitionen der SPD-Bundestagsfraktion teilnehmen, auf der das Auftreten der Fraktion in den entsprechenden Ausschusssitzungen am Folgetag vorbereitet wurde. Mittwochnachmittag habe ich von der Besuchertribüne des Plenarsaals aus die Arbeit von MdB Lemme als Schriftführer rechts von Bundestagspräsident Lammert verfolgt. Am Donnerstag war ich Gast eines Fachgesprächs der AG Gesundheit der SPD Bundestagsfraktion mit führenden Repräsentanten unterschiedlichster Behörden und Verbände, in der es um Möglichkeiten zur Verbesserung des Patientenschutzes im Bereich von Medizinprodukten ging. Danach stand erneut der Besuch einer Parlamentssitzung an, bei der mein Interesse diesmal jedoch weniger der Sitzungsleitung galt als vielmehr der Debattenkultur im Plenum.
Beim gemeinsamen Essen, im Abgeordnetenbüro oder auf den teilweise doch recht langen Wegen zu den unterschiedlichen Veranstaltungsorten ergab sich immer wieder die Gelegenheit zu persönlichen Gesprächen mit MdB Lemme, in denen Probleme erörtert und meine Fragen beantwortet wurden. Neben dem Verfolgen des parlamentarischen Geschehens vor Ort habe ich auch einen Einblick über die sonstigen Aufgaben und Termine eines Bundestagsabgeordneten erhalten und konnte Gespräche mit den Mitarbeitern des Abgeordnetenbüros über ihre Aufgaben und Arbeit führen. Dabei ist mir die zentrale Bedeutung der Rückkoppelung der Arbeit als Bundestagsabgeordneter an den Wahlkreis und das Bundesland deutlich geworden.
Als Mitarbeiter der Pressedokumentation und damit Informationsdienstleister für die Bundestagsabgeordneten hat mich besonders interessiert, wie MdB Lemme und seine Mitarbeiter ihren Informationsbedarf befriedigen. Hierzu wurde mir dargelegt, welche Informationsquellen dem Abgeordnetenbüro zur Verfügung stehen, auf welche besonders häufig zurückgegriffen wird und wie sie genutzt werden. In diesem Zusammenhang habe ich etwas Werbung für die von der Bundestagsverwaltung angebotenen Informationsdienstleistungen gemacht und einige Pressedossiers erstellt, z.B. zur Vorbereitung einer gemeinsamen Veranstaltung mit Vizepräsident Wolfgang Thierse im Wahlkreis von MdB Steffen-Claudio Lemme zum Thema „Von Dresden nach Stuttgart – Wege zu mehr politischer Beteiligung und Engagement“. Rückblickend kann ich sagen, dass es schon einen gewaltigen Unterschied macht, sich theoretisch über den Parlamentsbetrieb zu informieren, Bundestagssitzungen im Fernsehen zu verfolgen oder einmal das Parlamentsgeschehen hautnah vor Ort mitzuerleben. Für mich eine Erfahrung, die ich nicht missen möchte.
Klaus Sator
Lisa Golinski (Oktober / November 2011)
"Schon lange stand für mich fest, dass ich nach Abschluss meines Abiturs nicht sofort studieren, sondern zunächst einige praktische Erfahrungen sammeln möchte. Es war dabei mein großer Wunsch einen Einblick die Arbeit des Deutschen Bundestages zu bekommen. Am 3. Oktober 2011 begann ich mein Praktikum in Berlin. Die Vorfreude war groß. Andere Praktikanten hatten mir versprochen, dass zwei spannende Monate vor mir liegen. Nachdem ich mit den alltäglichen Abläufen im Abgeordnetenbüro vertraut gemacht wurde, bekam ich erste Aufgaben zugeteilt. Ich probierte mich beispielsweise am Schreiben einer Pressemitteilung aus.
In den Sitzungswochen des Deutschen Bundestages besuchte ich gemeinsam mit Herrn Lemme die Sitzungen der Arbeitsgruppen und die der Ausschüsse für Gesundheit und Petitionen. Es war für mich eine tolle Erfahrung, persönlich bei Abstimmungen und Besprechungen zu politischen Entscheidungen dabei zu sein und die Abläufe der Entscheidungsfindung kennenzulernen. Für mich war besonders faszinierend, dass über jeden Beschluss diskutiert und demokratisch abgestimmt wird. Dies konnte ich auch im Plenarsaal von der Zuschauertribüne aus verfolgen.
Doch es wurde nicht nur zwischen den Abgeordneten diskutiert. Ich nahm an zwei Anhörungen des Gesundheitsausschusses und an einem Fachgespräch teil, in denen Experten bestimmter Sachgebiete ihren Standpunkt darlegten und den Abgeordneten so fachkundige Informationen zukommen ließen. Wenige Tage später lernte ich ein weiteres Verfassungsorgan kennen. Als Herr Lemme eine Besuchergruppe in Berlin empfing, nutzte ich die Gelegenheit und nahm an einer Gruppenführung durch den Bundesrat teil. Des Öfteren schloss ich mich auch Unternehmungen der Praktikantengruppe der SPD-Fraktion an. Gemeinsam besichtigten wir die ehemalige Zentrale der Staatssicherheit der DDR. Dort bekamen wir die Möglichkeit mit dem Bundesbeauftragten für Stasi-Unterlagen Roland Jahn ins Gespräch zu kommen und Fragen zu stellen. In den letzten Tagen meines Praktikums besuchte ich zusammen mit einer Gruppe die Regierungspressekonferenz und das Bundeskanzleramt.
Die zwei Praktikumsmonate im Abgeordnetenbüro habe ich sehr genossen. Nie hätte ich gedacht, dass ich in dieser Zeit so viel erleben und lernen würde. Herr Lemme und seine Mitarbeiter haben es geschafft, mich gut in alle Vorgänge einzubinden. So erhielt ich wirklich einen reellen Eindruck von Tätigkeiten eines Abgeordneten und seines Büros. Die Arbeit im Bundestag hat mein Interesse an Politik nochmals gesteigert und hat mir auch bei der Wahl des richtigen Studienganges leichter gemacht. Ich gehe mit sehr vielen tollen Erinnerungen aus diesem Praktikum und bedanke mich vielmals bei Herrn Lemme und seinen Mitarbeitern."
Lana Sehovic IPS -Stipendiatin (März-Juli 2011)
"Am 28. Februar kam ich aus Bosnien und Herzegowina nach Berlin. Am 14. März begann ich dann im Deutschen Bundestag als Internationale Parlamentsstipendiatin zu arbeiten. IPS ist ein fünfmonatiges - unter der Schirmherrschaft des Präsidenten des Deutschen Bundestages stehendes - Programm für politisch interessierte Hochschulabsolventinnen und -absolventen aus Mittel-, Ost- und Südosteuropa sowie Frankreich, Israel und den USA. Ich bin eine ausgebildete Juristin und habe mich für dieses Stipendium beworben, um die Gelegenheit zu bekommen ganze fünf Monate in einem Abgeordnetenbüro im Deutschen Bundestag zu arbeiten. Letztlich ging es mir darum das parlamentarische System Deutschlands mit dem Bosnischen vergleichen zu können.
Mein Praktikum im Abgeordnetenbüro von Steffen-Claudio Lemme begann zunächst mit Arbeitsgruppen- und Ausschusssitzungen. Thematisiert wurden zahlreiche Probleme. Fragen zur Gesundheits- versorgung und dem deutschen Versicherungssystem oder auch zur Unterbringung von Pflegebedürftigen. Schon in den ersten Tagen bemerkte ich, welche Herausforderung ist, ein Politiker zu sein bzw. zu seinem Team zu gehören. Außerdem hatte ich auch die Gelegenheit den Petitionsausschuss zu besuchen. Hier lernte ich die Prozesse rund um Ersuche und Bitten von Bürgerinnen und Bürger kennen, die letztlich auf die Regelung eines politischen Gegenstands zielen.
Im Büro waren alle sehr verständnisvoll und hilfsbereit, beständig und geduldig mit mir. Sie gaben sich viel Mühe mir bestimmte Kenntnisse zu vermitteln und bei mir Interesse für die verschiedenen Sachfragen zu wecken. Herr Lemme hat sich ebenfalls bemüht, mir das alltägliche Leben eines Abgeordneten in seinem Wahlkreis zu zeigen. So hatte ich die Gelegenheit ihn vier Tage zu allen seinen Treffen und Veranstaltungen in Thüringen zu begleiten. Dabei handelte es sich um verschiedene Begegnungen, bei denen er stets Interesse, Mitgefühl und Empathie zeigte. Genau das hat mich auch fasziniert. Ich habe eingesehen, dass mein Abgeordneter ein Politiker ist, weil er daran, was er macht, auch glaubt. Er will einen Beitrag zur deutschen Gesellschaft leisten, was im Gegensatz zu den meisten bosnisch-herzegowinischen Politikern steht.
Außerdem wurde es mir vom Herr Lemme auch ermöglicht den Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) zu besuchen. Hier lernte ich den Ablauf und die Arbeit in der rechtlichen Abteilung des DGB kennen. Da Gewerkschaften einen großen gesellschaftlichen Bereich auch in Bosnien und Herzegowina darstellen, wollte mein Mentor, dass sich meine Einblicke hierauf verbreitern.
Die fünf Monate im Deutschen Bundestag sind für mich nun um. Die Arbeit im Abgeordnetenbüro Lemme habe ich sehr genossen und ich werde als eine reichere Person zurück nach Bosnien gehen. Ich kann nur hoffen, dass die bosnische Politiker eines Tages zumindest teilweise zu ihrem Beruf bzw. ihrer Berufung finden, wie es die Politiker in Deutschland tun. Erst dann wird mein Land auch eine Perspektive für die Zukunft haben."
Björn Kallensee (Februar / März 2011)
"Da es laut meiner Prüfungsordnung Pflicht ist ein Praktikum zu absolvieren, habe ich die Gelegenheit genutzt und mich bei Herrn Lemme im Bundestagsabgeordnetenbüro beworben. Als Sozialdemokrat und aus dem Kyffhäuserkreis stammend, kannte ich ihn und seine Arbeit natürlich, was mich in meiner Entscheidung für ein Praktikum bei ihm bestärkte.
Durch die Unterstützung der beiden Mitarbeiter von Herrn Lemme und natürlich auch ihm selbst, war es mir möglich, unglaublich viele Details der Arbeit des Deutschen Bundestages kennenzulernen. Zu meinen Tätigkeiten zählten das Verfassen von Pressemitteilungen, die Sachrecherche zu verschiedenen Themen. Beispielsweise zur anstehende Reform der Bundeswehr oder dem Programm „Soziale Stadt“. Außerdem war ich mit der Beantwortung von Anfragen aus dem Wahlkreis betraut. Ich hatte zudem die Gelegenheit verschiedenste Ausschüsse und Plenarsitzungen zu besuchen und war mit Steffen-Claudio Lemme im Kyffhäuserkreis und im Landkreis Sömmerda unterwegs. Auch außerhalb der regulären Arbeitszeit fanden in und um das Reichstagsgebäude verschiedenste politische Diskussionen und Veranstaltungen statt, die mein Interesse weckten und durch die ich neue Erkenntnisse gewonnen habe.
Letztendlich habe ich mich durch die Arbeit hier im Bundestag in meiner Studienwahl bestätigt gefühlt und die 2 Monate hier sehr genossen. Vor allem weil ich unglaublich viel gelernt habe und die Arbeit mit allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sehr harmonisch verlief."
























